Sport Konventionen

Der Europarat und Sport

Einerseits dient Sport der Integration und dem sozialen Zusammenhalt, fördert Toleranz und gegenseitiges Verständnis und trägt dadurch bei zur Förderung der Grundwerte des Europarats – Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Anderseits kommt es im Zusammenhang mit Sport auch zu schwerwiegenden Verstössen gegen die Menschenrechte, hauptsächlich in den Bereichen Gewalttätige Auseinandersetzungen unter Zuschauern, Doping und Korruption. Mit dem Ziel, wirksam gegen solche Verstösse vorzugehen, hat der Europarat mehrere Konventionen ausgearbeitet:

Europäisches Übereinkommen über Gewalttätigkeiten und Fehlverhalten von Zuschauern bei Sportveranstaltungen und insbesondere bei Fussballspielen (SEV Nr. 120)

Die Konvention trat 1985 in Kraft und konzentriert sich auf die folgenden drei thematischen Bereiche: Prävention, Kooperation und Repression.

Der Prävention dienen folgende Massnahmen: Positionieren von Ordnungskräften entlang der Fanrouten und im Stadion; physische Trennung rivalisierender Fangruppen; kontrollierter Ticket-Verkauf; Stadionverbot für Unruhestifter; Alkoholverbot in den Stadien; effektive Sicherheitskontrollen; eindeutige Kompetenzregelung zwischen den Organisatoren des Anlasses und den Behörden; Garantie der Zuschauersicherheit durch bauliche Massnahmen in den Stadien.

Kooperation zwischen den Sport Clubs, den Ordnungskräften und den Behörden aller an einem internationalen Sportanlass beteiligten Länder ist entscheidend bei der Erkennung und Beseitigung von Sicherheitsrisiken.

Der Repression dienen folgende Massnahmen: Bekannte Unruhestifter mit einem Stadionverbot belegen; die Gerichtsunterlagen angeklagter Gewalttäter an ihre Herkunftsländer weiterleiten und verurteilte Personen ausliefern.

Monitoring-Gremium

Die Verantwortung für die Überwachung der in der Konvention festgelegten Verpflichtungen liegt bei einem Ständigen Ausschuss. Dieser besteht aus einem oder mehreren durch die Regierungen der Vertragsstaaten ernannten Experten. Die FIFA (Fédération Internationale de Football Association), die UEFA (European Union Football Association und die FSE (Football Supporters Europe) haben Beobachterstatus.

Polizei FussballIm Vorfeld internationaler Sportereignisse – Weltmeisterschaften oder Europameisterschaften – wird innerhalb des Ständigen Ausschusses eine ad-hoc-Arbeitsgruppe gebildet, welche die getroffenen Sicherheitsmassnahmen überprüft, am Ende des Anlasses Bilanz über deren Effektivität zieht und einen Bericht dazu veröffentlicht.

Monitoring-Programm

Um zu überprüfen, wie die Vertragsstaaten die in der Konvention festgelegten Forderungen umsetzen, wurde 1998 ein spezielles Monitoring-Programm in Kraft gesetzt. Dieses Programm enthält folgende Instrumente:

Jahresbericht: Jeder Vertragsstaat ist verpflichtet, dem Ständigen Ausschuss einen Jahresbericht über die gemachten Fortschritte vorzulegen.

Konsultativbesuche: Diese Länderbesuche werden organisiert, um den Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der in der Konvention festgehaltenen Forderungen behilflich zu sein.

Evaluationsbesuche: Ein Evaluationsteam, bestehend aus Experten, untersucht während eines Besuches die Situation vor Ort, bespricht seine Erkenntnisse mit dem betroffenen Mitgliedstaat und veröffentlicht anschliessend einen Bericht dazu. Der Mitgliedstaat ist verpflichtet, spätestens zwei Jahre nach dem Evaluationsbesuch einen Bericht zu den gemachten Fortschritten einzureichen, welcher ebenfalls veröffentlicht wird.

Selbst-Evaluation: Mitgliedstaaten haben die Möglichkeit, eine Selbstevaluation einzureichen, um den Ständigen Ausschuss über die Situation in ihrem Land zu informieren.

Länderprofile: Die vom Europarat erarbeiteten Länderprofile geben einen Überblick über die von jedem Mitgliedstaat getroffenen Massnahmen in Bezug auf die Sicherheit von Besuchern von Sportanlässen. Die Länderprofile sind öffentlich einsehbar und enthalten Information über:

  • Gesetzgebung im Zusammenhang mit der Sicherheit bei Sportanlässen
  • Nationale Koordination
  • Überwachung von Sportanlässen
  • Sanktionen
  • Stadien und deren Ausstattung
  • Ordnungsdienst und Erfüllung der Rolle als Gastgeber eines Sportanlasses
  • Präventivmassnahmen
  • Sicherheit und Sicherheitsdienst im Allgemeinen

 

Anti-Doping Konvention (SEV Nr. 135)

Das erste Dokument des Europarats zum Thema Sport war die Resolution (67)12. Sie wandte sich gegen Doping von Sportlerinnen und Sportlern und wurde vom Ministerkomitee im Jahr 1967 verabschiedet, nachdem ein Profiradfahrer auf der Tour de France ums Leben gekommen war. Während der darauffolgenden Jahrzehnte entwickelte sich Doping zu einer Geissel des Sports und gefährdet heute die Gesundheit von Millionen junger Athletinnen und Athleten. Dopen heisst jedoch auch betrügen, denn es ist unehrenhaft, steht der Chancengleichheit im Weg, verhindert einen fairen Wettkampf und schadet damit letztendlich dem Sport.

Die Anti-Doping Konvention trat 1990 in Kraft und ist inzwischen von allen Europarat-Mitgliedstaaten ratifiziert worden. Mit dem Ziel, Anti-Doping-Gesetze zu harmonisieren, legt sie verbindliche Regeln fest.

Die Unterzeichnerstaaten sollen:

  • den Erwerb und die Verwendung von verbotenen Substanzen wie z.B. anaboler Steroide erschweren
  • die Finanzierung von Anti-Doping-Tests fördern
  • den Einsatz von Fördermitteln für Sportorganisationen, Sportlerinnen und Sportlern direkt abhängig machen von deren strikter Anwendung der Anti-Doping-Regeln
  • Athletinnen und Athleten während der Wettkämpfe und ausserhalb regelmässig Dopingkontrollen unterziehen, auch wenn sie sich im Ausland aufhalten

Die Konvention enthält zudem eine regelmässig aktualisierte Referenzliste aller verbotenen Substanzen.

Monitoring-Gremium

Die Verantwortung für die Überwachung der in der Konvention festgelegten Verpflichtungen liegt bei einer Monitoring-Gruppe. Diese besteht aus Regierungsexperten sowie Vertretern von Anti-Doping-Organisationen und Sportverbänden. Die Monitoring-Gruppe ist auch verantwortlich für die regelmässige Überprüfung der in der Konvention enthaltenen Referenzliste der verbotener Substanzen.

Monitoring-Programm

Um zu überprüfen, wie die Vertragsstaaten die in der Konvention festgelegten Forderungen umsetzen, wurde 1998 ein spezielles Monitoring-Programm in Kraft gesetzt. Dieses Programm enthält folgende Instrumente:

Jahresbericht: Jeder Vertragsstaat ist verpflichtet, der Monitoring-Gruppe einen Jahresbericht über die gemachten Fortschritte vorzulegen.

Konsultativbesuche: Diese Länderbesuche werden organisiert, um den Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der in der Konvention festgehaltenen Forderungen behilflich zu sein.

Evaluationsbesuche: Während seines Besuches untersucht ein Evaluationsteam, bestehend aus Experten die Situation vor Ort, bespricht seine Erkenntnisse mit dem betroffenen Mitgliedstaat und veröffentlicht anschliessend einen Bericht dazu. Der Mitgliedstaat ist verpflichtet, spätestens zwei Jahre nach dem Evaluationsbesuch einen Bericht zu den gemachten Fortschritten einzureichen, welcher ebenfalls veröffentlicht wird.

Selbst-Evaluation: Mitgliedstaaten haben die Möglichkeit, eine Selbstevaluation einzureichen, um die Monitoring-Gruppe über die von ihnen getroffenen Anti-Doping-Massnahmen zu informieren. Die Monitoring-Gruppe überprüft diese Informationen und verfasst anschliessend eine Beurteilung, die publiziert wird.

 

Übereinkommen des Europarates über die Manipulation von Sportwettbewerben (SEV Nr. 215)

Bestechung Sport

 

Mit Blick auf einen weitreichenden Schutz von Integrität und Ethik im Zusammenhang mit Sport hat der Europarat das Übereinkommen über die Manipulation von Sportwettbewerben ausgearbeitet.

 

 

Das Übereinkommen verpflichtet seine Mitgliedstaaten zu folgenden Massnahmen:

  • die Manipulation nationaler und internationaler Wettkämpfe zu verhindern
  • erfolgte Manipulationen aufzudecken und strafrechtlich zu verfolgen
  • die internationale Zusammenarbeit zwischen Behörden, Sportorganisationen sowie Wettbüros im Kampf gegen Wettkampfmanipulation zu fördern

Das Übereinkommen wurde 2014 im schweizerischen Magglingen (Macolin) zur Unterzeichnung aufgelegt, daher wird es auch Macolin Konvention genannt. Es steht sowohl Mitgliedstaaten des Europarats als auch Nicht-Mitgliedstaaten offen und tritt in Kraft, wenn es von fünf Staaten ratifiziert worden ist, darunter mindestens drei Mitgliedstaaten des Europarats.

 

Erweitertes Teilabkommen über Sport (EPAS)

Auf der Grundlage bereits existierender Europarat-Standards wurde 2007 das Erweiterte Teilabkommen über Sport geschaffen. Das Ziel des Abkommens besteht darin, der Europäischen Zusammenarbeit im Sport neue Impulse zu verleihen; den Herausforderungen, welchen sich der Sport auf europäischer Ebene stellen muss, wirkungsvoll zu begegnen; Sport insgesamt gesünder und fairer zu gestalten sowie sicherzustellen, dass er die an ihn gestellten, hohen ethischen Anforderungen erfüllt.

Weitere Informationen zum Erweiterten Teilabkommen über Sport (EPAS) sind auf dieser Website in der Rubrik Völkerrechtsverträge: Teilabkommen zu finden.

 

Abkommen über eine umfassende Vorgehensweise bezüglich Sicherheit, Sicherheitsvorkehrungen und Dienstleistungen bei Fussballspielen und anderen Sportveranstaltungen (SEV Nr. 218)

Im Vorfeld der Fussball Europameisterschaft 2016 lancierte der Europarat eine neue Sportkonvention. Die Mitgliedstaaten des Abkommens verpflichten sich unter anderem dazu,

  • öffentliche und private Akteure aufzufordern, bei der Vorbereitung und Durchführung von Fussballspielen zusammenzuarbeiten
  • sicherzustellen, dass die Infrastruktur der Stadien nationale und internationale Normen und Vorschriften erfüllt, beispielsweise in Bezug auf die Sicherheit und das Lenken von Besucherströmen
  • die Stadien leichter zugänglich zu machen für Kinder, Betagte und Menschen mit Behinderungen
  • Gewalt und Fehlverhalten zu verhindern und zu bestrafen
  • die internationale Polizei-Zusammenarbeit zu stärken

Die Konvention wurde am 3. Juli 2016 im Stade de France in St. Denis zur Unterzeichnung aufgelegt und tritt in Kraft, sobald sie von mindestens drei Mitgliedstaaten des Europarats ratifiziert ist. Sie wird das Europäische Übereinkommen über Gewalttätigkeiten und Fehlverhalten von Zuschauern bei Sportveranstaltungen und insbesondere bei Fußballspielen (SEV Nr. 120) ersetzen.

 

_
Fotos © Polizei im Stadion: dpa; Bestechung: Picture Alliance; Illustrationen: Europarat