William Penn

William Penn
„Eine Abhandlung über die Sicherstellung des heutigen und künftigen Friedens in Europa durch die Gründung eines Europäischen Landtags, Parlaments oder Rats“

„An Essay towards the present and future Peace of Europe by the establishment of an European Dyet, Parliament or Estates“

„Beati Pacifici“ (Glücklich sind die Friedliebenden)
„Cedant arma togae“ (Weichen mögen die Waffen der Toga)

William Penn (1644-1718) war ein englischer Quäker-Theologe, welcher der Nachwelt vor allem als Gründer des US-Staates Pennsylvania (benannt nach seinem Vater) und früher „Völkerrechtler“ ein Begriff ist.

Wenig bekannt hingegen ist, dass der Autor von über 100 Schriften zu Religion und Toleranz auch einen politischen Essay verfasst hat, der zur Etablierung und Sicherung des Friedens im kriegsgebeutelten Europa die Gründung eines „Europarats“ vorschlug.

Das Werk trägt den Titel: “An Essay towards the present and future Peace of Europe by the establishment of an European Dyet, Parliament or Estates”. Es wurde ab 1693 anonym in vier Auflagen publiziert und auf Französisch übersetzt.

In den Kapiteln 4 bis 8 umschreibt der Autor die zu gründende Europäische Institution als „Parliament of Europe, Imperial Parliament, States of Europe, European Confederacy, European League oder General Diet Estates“ und setzt sich intensiv mit ihr auseinander: Er nennt mögliche Mitglieder, diskutiert die Aufnahmebedingungen und die Natur von Rechtstiteln; geht auf die Präsidentschaft und die nationalen Repräsentationen ein; macht sich Gedanken über Vorschriften zu Abstimmungen und Wahlen; erörtert Bestimmungen zu Anwesenheits- und Vertretungspflicht; überlegt sich mögliche Straf- und Sanktionsmaßnahmen und schlägt bestimmte Verhandlungs- und Vertragssprachen vor.

Aus heutiger Sicht liest sich William Penns Entwurf einer gesamteuropäischen politischen Institution über weite Strecken wie eine (sprachlich etwas altmodische) Beschreibung des heutigen Europarats, in welchem die meisten Empfehlungen William Penns exakt umgesetzt worden sind – von der für ihn selbstverständlichen Einbindung Russlands und der Türkei über die Einrichtung einer gerichtlichen Instanz bis hin zu ganz konkreten geografischen, baulichen oder sprachlichen Anregungen in Bezug auf Sitzungsort, Sitzungssaal oder Sitzungssprache.

Das beeindruckende an dieser frühen Europa-Schrift ist die Fähigkeit des Autors, das Verhalten der Machtträger in Europa innerhalb ihres politischen Umfelds derart präzise zu erfassen, dass er in der Lage war, eine derartige Institution zur Kontrolle der Mächte untereinander bereits über 250 Jahre vor ihrer tatsächlichen Entstehung völlig akkurat zu entwerfen.

Link zum Essay (PDF in Englisch): http://www.fredsakademiet.dk/library/penn.pdf